Kovus Welt

Berichte von der Erntefront … heute: Chillies bis zum Umfallen 18.11.2007
Da mein Zuckerrohrjob nur von Montags bis Freitags in einer geregelten 40 Stunden Arbeitswoche stattfindet, habe ich am Wochenende die sagenhafte Option, dem tollsten Job der Welt nachzugehen: Chillies pflücken! Was könnte es Schöneres geben, als 10,5 Stunden lang ohne Pause und Schatten den Kopf in kniehohes Gestrüpp zu stecken, um dort extrem scharfe Dinge rauszupflücken und mit diesen im Akkord die lustigen bunten Buckets zu füllen? Und das ganze mit einer sagenhaften Bezahlung von ungefähr 5 - 10 Dollar pro Stunde – je nachdem wie schnell man die Teile abrupfen kann – bezahlt wird hier nämlich pro Kilogramm. Die kleinen roten Chillies geben großzügige 2 Dollar pro Kilo, die großen roten Chillies spaßige 50 Cent. Natürlich kann man sich seine Arbeitszeit frei einteilen und somit sind auch Pausen theoretisch möglich – jedoch nicht zu empfehlen. Denn wenn man wenigstens ein paar Dollar mit nach Hause nehmen möchte, sollte man den Gedanken an Pausen schnell wieder verwerfen und sich mit kurzen „mein Wasser ist mal wieder heiß wie Tee“ – Einlagen abfinden, diese sind gerade noch so vertretbar, da zeitlich nicht besonders ausschlaggebend. Und hat man dann am Ende des Tages die bis dato unbekannte Anzahl Kilogramm Chillies zusammengepflückt, kann man sich nur noch auf den deprimierenden Gang zur Waage freuen, denn dort angekommen wird man sich mit Sicherheit wieder einmal darin bestätigt fühlen, dass man lahm wie eine Schnecke und der ganze Tag total für die Katz war. Das Einzige was man dann als Erinnerung mitnimmt sind die 2 Tage anhaltenden Rückenschmerzen und endlich eine Erklärung dafür, warum der Chillijob hier im Hostel die absolut höchste Mitarbeiterfluktuation aufweist…

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Auf der Suche nach Gras! 01.11.2007
Unglaublich, aber ich habe schon wieder einen neuen Job! Nach zwei weiteren Kürbistagen am Montag und Dienstag wurde ich gestern von den Hosteleltern gefragt, wie lange ich denn noch hier in Ayr bleiben würde und ob ich generell Interesse daran hätte, einen etwas längerfristigen Job (also nicht einen von diesen 2 – 4 Tages Jobs) anzunehmen. Also hab ich spontan einfach mal zugesagt, schauen wir mal was kommt, so bald wollte ich eigentlich noch nicht abreisen. Und seit heute Morgen finde ich mich nun in der Zuckerrohrbranche wieder. Im Prinzip ist mein Arbeitgeber eine Art Vereinigung von Zuckerrohrfarmern aus der gesamten Umgebung des Burdekin (der große Fluss hier) die sich um Plagen und Krankheiten und allem was sonst noch mit Zuckerrohr zu tun hat beschäftigt. Und sich auch dem Kampf gegen das böse böse Itchgras stellt!
Itchgras ist ein sehr aggressives und widerstandsfähiges Gras, das für die Zuckerrohrindustrie als Plage eingestuft wird. Es handelt sich um eine Grassorte, die vor ca. 40 – 50 Jahren hier aus Übersee (ich glaube Afrika) unbeabsichtigt eingeführt wurde. Das Gras steht auf den Feldern im ständigen Konkurrenzkampf mit den Zuckerrohrpflanzen und kämpft hier um Wasser und Sonne und somit um das eigene Überleben. Ihre starken Wurzelsysteme strangulieren die Wurzeln des Zuckerrohrs und ohne Eingriff würden die Zuckerrohrpflanzen dies nicht lange mitmachen und dem Itchgras weichen. Vorwiegend mit Chemie von den Feldern vertrieben, tritt es hier in der Gegend um Ayr immer wieder mal in kleinen Flecken auf und wird dann wieder mit Chemie oder per Hand entfernt. Um die Ausbreitung kontrollieren und einschätzen zu können und das Gras dann auch bei Bedarf direkt vor Ort zu bekämpfen gibt es eine Art Itchgrasinspektion...Mich!
Nein, wirklich! Ich mache ab sofort nichts anderes mehr, als mich den ganzen Tag mit dem großen klimatisierten Holden – Pickup – Geländewagen über holprige Feldwege fortzubewegen und auf ausgewählten Zuckerrohrfeldern Kontrollgänge durch die Reihen des 1 – 4 Meter hohen Rohrs zu machen (solange noch begehbar, wenn es wirklich 4 Meter hoch ist, kommt man da nicht mehr wirklich gut durch…). Die Augen stets gen Boden gerichtet suchen mein Partner und ich in den Feldern nach dem Gras. Mit Quarantänesäcken und Kompressionsbinden bewaffnet spazieren wir den ganzen Tag entlang der Bewässerungsgräben und kontrollieren die Ausbreitung, gefundene Pflanzen werden gezählt und entfernt und Ausbreitungsflecken auf Karten eingetragen. Die Quarantänesäcke sind für evtl. entdeckte Itchgrassamen, die betreffenden Pflanzen werden mitsamt Samen vorsichtig in die Säcke verbannt und dann später verbrannt. Die Kompressionsbinden sind für den Fall eines Schlangenbisses zum Abbinden und Blutstauen des betroffenen Körperteils. In Zuckerrohrfeldern wimmelt es nur so von giftigen Schlangen - diese fliehen in den meisten Fällen zwar immer sofort, aber eine einhundertprozentige Sicherheit gibt es nie. Deswegen ist man auch immer zu zweit, aus Sicherheitsgründen ist ein Alleingang durch die Felder nicht erlaubt. Aber wird schon nichts passieren, hoffentlich… Schauen wir einfach mal wie die nächsten Tage werden.
Ich habe übrigens mal ein paar Fotos vom Arbeitslager und vom wunderschönen Ayr gemacht, falls es wen interessiert…

            
            
            
        

 
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