Nach zwei weiteren Tagen furchtbarer Kürbisernte am Wochenende hab ich für heute Morgen doch tatsächlich gleich einen neuen Job bekommen. Und das Beste: Ich durfte sogar fahren. Hier im Hostel ist das nämlich so, dass derjenige der die Leute zur Arbeit fährt, keine Fahrtkostenpauschale an das Hostel zahlen muss (so zwischen 5 und 7 Dollar pro Tag). Also bin ich direkt in der Früh in einen der klapprigen Hostelbusse gestiegen (die Dinger fallen wirklich fast auseinander… ) und habe 7 Leute zur Eggplantsplantage hinter Homehill im Südosten gefahren. Eggplants sind übrigens eigentlich das gleiche wie Auberginen, nur müssen die Australier natürlich mal wieder einen eigenen Namen dafür haben…
Auf der Plantage selber ging das Autofahren dann gleich weiter. Im Prinzip mache ich momentan nichts anderes, als darauf zu warten, dass die armen zum Auberginen pflücken verdammten anderen Mitpicker ca. 20 von den kleinen Sammelbehältern mit Auberginen gefüllt und am Wegesrand aufgereiht haben. Sobald es soweit ist, lade ich die Teile dann auf die Ladefläche von meinem Pickup und fahre mit den Dingern dann zurück in die Halle vom Bauernhof, wo zwei Sortierdamen nur darauf warten, die heiß ersehnte Fracht in kleine Pappboxen verpacken zu dürfen. Dann geht’s wieder zurück. Aufladen, Fahren, Abladen, Fahren, Aufladen, Fahren, Abladen usw. usf. Bis zum Feierabend. Auch super spannend. Aber mit Musik im Ohr durchaus erträglich und nicht so erschöpfend wie Pumpkins. Aber dafür auch nicht so gut bezahlt. Egal. Hauptsache Arbeit. Denn jeder Tag in Ayr ohne Arbeit ist ein furchtbar langweiliger Tag.
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Heute hatte ich aufgrund mangelnder Arbeit mal wieder einen freien Tag. Ebenso wie viele andere im Hostel, auf der Arbeitswarteliste stehen momentan über 15 Leute – irgendwas ist gerade falsch – dabei ist das Wetter gleich bleibend schön (… unerträglich heiß). Und da wir uns im Hostel gegenseitig fast auf die Füße getreten sind, haben wir uns mit 10 Leuten spontan dazu entschlossen, irgendwo in die Nähe von Mt. Elliot im Nordwesten zu fahren um dort die hiesigen Naturwasserrutschen runterzurutschen. Man fährt dorthin etwa 50 Kilometer auf dem Bruce Highway bis man irgendwo auf halbem Weg zwischen Ayr und Townsville auf einem Campingplatz anhält, 2 Dollar Gebühr für Parken und Nationalpark oder so zahlt (so ganz genau hab ich nicht wirklich verstanden wofür wir denn das Geld nun gezahlt haben…) und dann einfach losgeht.
Nach ca. 80 Minuten und einigen Kämpfen mit den unerträglichen Fliegen die einen permanent auf dem Weg belästigt haben, sind wir dann tatsächlich irgendwo in einem Flussbett angekommen und haben ein wenig später die Rutschen entdeckt. Man sagte uns, dass es fast ein bisschen zu trocken sei und der Fluss nicht ausreichend Wasser führe um wirklich gut rutschen zu können, aber die ca. 30 Meter lange Bahn war mit Algen bewachsen, so dass auch mit relativ wenig Wasser super gerutscht werden konnte. Und es war wirklich spaßig, im Prinzip einfach über Jahre ausgespülte Rinnen auf einer riesigen zusammenhängenden flachen Felsfläche die ca. 10 – 15 Meter Gefälle hatte. Aber auch manchmal ein bisschen schmerzhaft, denn so ganz durchgängig glatt war die Rutsche dann doch nicht… an einigen Stellen ist man ganz gut gehüpft oder es drohte ein schroffer Felsvorsprung und nach einigen Rutschdurchgängen tat dann doch schon ganz schön viel weh. Aber gelohnt hat es sich auf jeden Fall dort hinzufahren!
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Von Montag bis heute Mittag gab es zur Überraschung: Kürbisse! Allerdings bei einem viel netteren Farmer als dem letzten mit einer guten stündlichen Bezahlung, ständig frischem kühlen Wasser während der Arbeit in vielen kleinen Pausen, riesigen Wassermelonen zum Mittag und gratis Bier zum Feierabend. So könnte es ewig weiter laufen, nur leider mussten wir heute Mittag aufhören. Das Feld auf dem wir waren ist einfach noch zu grün und es wird nun mindestens erstmal eine Woche Pause gemacht bis die Kürbisse hoffentlich vernünftig gereift sind. Schauen wir mal, ich bin mal wieder arbeitslos nun, hoffe aber dass ich nächste Woche wieder dabei sein kann. Und um vollends jeden zu langweilen, gibt es noch ein paar Bilder von der Ernte anbei!
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Okay, es gab noch mehr Kürbisse. Und dann noch mehr. Aber es waren uns dann irgendwie doch zu viele Kürbisse für zu wenig Geld. Deswegen haben wir heute Abend einfach mal gekündigt. Der Kürbisjob gilt als einer der härtesten aber auch als einer der bestbezahlten – aber das was wir hier umgerechnet pro Stunde bekommen (wir wissen jetzt ja ungefähr wie viele Tonnen am Tag drin sind) ist wirklich ein Hungerlohn und deswegen gehen wir ab morgen nicht mehr zu diesem Farmer hin und suchen uns was neues. So einfach ist das. Die vom Hostel haben auch gesagt es wäre zu wenig, also mache ich nun erstmal das Wochenende frei. Mir tut eh alles total weh und ich fühle mich als wäre ich 80. Aua.
Vielleicht gibt’s nächste Woche wieder Kürbisse, aber dann hoffentlich auch mehr Geld in Kombination mit diesen.
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Nun ja, wie schon angekündigt war Airlie Beach erstmal mein vorläufig letzter „Urlaubsstopp“ und ich bin heute mit dem Premierbus die 3 Stunden bis Ayr (sprich: Air… nach langen Diskussionen mit Leuten die hier noch nicht waren hab ich dann hier einen Einheimischen gefragt wie es denn ausgesprochen wird) hochgefahren – einer Stadt ca. 2 mal 2 Kilometer groß, die typischen quadratisch angeordneten Straßen, eine Haupteinkaufsstraße wo man doch recht viel bekommt und ein paar tausend Einwohner, die hier ihr Dasein fristen. Außen rum nur Felder: Zuckerrohr, Kürbisse, Melonen, Auberginen, Chilis und noch ein paar andere Dinge. Das übliche also. Alles andere, was man zwischen den Feldern evtl. mal entdecken kann sind einsame Bauernhöfe die spärlich über die Gegend verstreut sind.
Die nächsten Orte liegen zwischen 50 und 100 Kilometer entfernt, bequem zu erreichen, indem man sich in sein Auto setzt, das Gaspedal und das Lenkrad mit einem Holzbrett festnagelt und dann darauf wartet, bis das Auto nach einer Stunde gerade aus fahren mit Sicherheit die nächste Ortschaft erreicht hat. Vorausgesetzt man endet an einem Bahnübergang nicht in einem der kilometerlangen Zuckerrohrzüge, diese brauchen manchmal ihre Zeit bis sie die Straße wieder freigegeben haben, kann aber auch mal passieren, dass sie einfach stehen bleiben. Dann muss man warten oder hat einfach Pech gehabt.
Egal, auf jeden Fall bin ich dann Mittags hier im Workinghostel „Ayr Backpackers“ angekommen, ohne Reservierung hatte ich das Glück trotzdem noch einen Platz in einem der „Units“, wie die Räume hier genannt werden, einen Schlafplatz zu bekommen. Ich bin in Unit 1 gelandet! In einem kleinen braunen Doppelholzbett ohne Leiter, mit ziemlich harten Matratzen auf denen man wie auf Planken liegt. Mit 8 weiteren Leuten in einem Zimmer, das genau 2 kleine Fenster hat, riecht es hier meistens wie in der Umzugskabine eines Sportvereins. Gut, dass ich das einzige Bett direkt am Fenster habe. Über mir droht zwar in wenigen Zentimetern Abstand der ständig mit tosendem Lärm rotierende Deckenventilator damit, mir beim nächsten schreckhaften Erwachen den Kopf abzuschlagen – aber man bekommt so wenigstens ein bisschen frische und gut riechende Luft ab. Ansonsten ist das hier aber eigentlich ein recht nettes und freundliches Hostel, es gibt viele Freizeitmöglichkeiten (okay, nein – nicht wirklich in Ayr… aber das Hostel hat eigentlich alles erdenklich Mögliche getan, um die eigenen zu optimieren: Es gibt einen Pool, einen Billardtisch, eine Tischtennisplatte, Gesellschaftsspiele, zwei Fernsehräume und das wichtigste: billiges und schnelles Internet und sogar WLAN!), es ist sauber und wird jeden Tag geputzt (auch die Räume… bzw. „Units“) und die Hosteleltern kümmern sich meiner Ansicht nach wirklich gut darum, irgendwie Jobs an die Leute zu verteilen.
Und so begab es sich auch, dass ich für den heutigen Tag auch sofort Arbeit bekommen hab. Es ging heute Morgen um 6 Uhr mit einem fast auseinander fallenden roten Bus etwa 40 Kilometer irgendwo hinter Clare (noch so ein Kaff das ich eigentlich gar nicht erwähnen müsste – aber ich hab es doch tatsächlich auf der Karte gefunden) auf ein gigantisches Kürbisfeld, dessen Länge ich einfach mal auf einen Kilometer schätzen würde, bei ca. 50 Metern Breite. Und das ist definitiv ein großes Kürbisfeld. Mit vielen klitzekleinen Kürbissen, ca. 15 – 25 Zentimeter Durchmesser. Viel zu klein! Mit 6 Personen sind wir dann mit überdimensionierten Gartenscheren über die erste Reihe des Feldes gegangen und haben in dem rankigen Zeugs versucht die guten von den schlechten Kürbissen zu trennen und die guten mit der Schere abzuschneiden. Leider sind Kürbispflanzen doch ziemlich widerspenstige Gesellen und vor allem ihre Blätter und Stengel können doch ganz gerne mal die Haut aufreißen und dann wunderbar in Kombination mit der Sonnencreme, dem Schweiß, der brütend heißen Sonne und dem sonstigen Dreck doch ganz nett schmerzende Wunden hinterlassen. Nach dem Schneiden werden die guten Kürbisse dann in zwei der gepflügten Reihen gesammelt und dann geht’s noch einmal mit dem Trecker über die geschnittene Fläche des Feldes und mit jeweils 3 Mann pro Seite werden die Dinger dann in die „Bins“ verladen, zwei heben die Kürbisse auf und schmeißen sie hoch, der dritte fängt sie auf und sortiert aus und verlädt in die Sammelbehälter – das auf beiden Seiten des Treckers – man braucht also 7 Leute, der Trecker wurde vom Farmer selbst gefahren. Eine Bin ist übrigens im Prinzip eine australische Palette in Kombination mit einer Art Papp – Umzugskarton der auf die Palette aufgenagelt wird und es passen ungefähr 500 Kilogramm Kürbisse in so ein Ding rein. Nun ja. Am ersten Tag haben wir insgesamt ca. 10 Stunden in der Sonne gearbeitet, fast von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang und ich muss sagen: Das war mit Abstand der anstrengendste Tag meines Lebens. Gegen Ende des Tages hatten wir ungefähr 17,5 Tonnen Kürbisse in die Bins verfrachtet und trotz aller Mühen war das ein recht ernüchterndes Ergebnis. Bezahlt werden wir nämlich pro Tonne und eigentlich hätten wir noch ein paar mehr Tonnen machen müssen, damit es sich für uns wirklich lohnt. Hoffen wir mal, dass wir die nächsten Tage noch mehr schaffen, sonst ist die Bezahlung nicht wirklich prima.
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Nun da ich gestern von Mackay bis nach Airlie Beach hochgefahren bin, finde ich mich ab sofort in einem der Partyparadiese der Ostküste wieder. Allerdings anscheinend nur am Wochenende, unter der Woche ist hier nicht wirklich viel mehr los als woanders. Airlie Beach ist im Prinzip das was Hervey Bay für Fraser Island ist: Der Ausgangspunkt für alle Segeltouren auf die Whitsunday Islands. Irgendwo scheint es anscheinend Pflicht zu sein, diesen Trip mitzumachen auf dem Weg von Norden nach Süden oder umgekehrt. Auch wenn ich kein Fan von Pflichtprogrammen bin, werde ich diese Tour wohl auch einmal mitmachen, denn die meisten Leute, die ich getroffen habe und es bereits hinter sich gebracht haben, erzählten meistens sehr begeistert davon. Da ich auf der Tour jedoch auch gerne tauchen gehen möchte und die Segeltouren mit Tauchtrips inklusive aber irgendwo doch ganz schön teuer sind, hab ich mich erstmal gegen das ganze entschieden und werde es wohl etwas später erst angehen, sobald ich mich versichert hab, dass man hier auch recht schnell wieder etwas Geld verdienen kann. Irgendwo waren die letzten 3 Wochen doch etwas zu teuer, als dass ich diesen Standard noch ewig weiterführen kann – also werde ich mein Urlaubsprogramm nun erstmal etwas runterfahren.
Also gab es heute mal wieder einen Nationalpark, genauer gesagt den Conway NP - östlich von Airlie Beach gelegen. Sehr schön, vor allem da man so etwas direkt neben dem Trubel von Airlie gar nicht erwartet. Und zudem ein Nationalpark, den anscheinend niemand besucht – denn niemand kommt nach Airlie, um etwas außer den Whitsundays zu sehen. Ich habe an dem ganzen Tag den ich dort verbracht habe genau 4 Personen getroffen. Natur pur, durch dichten Dschungel geschlagen, einen Berg bestiegen (Mt. Rooper) und zum Sonnenuntergang an einem Strand gewesen – mein Privatstrand, auch hier war niemand. Und im Hintergrund konnte man immer einen Blick auf die Whitsundays Inselkette werfen. Eine sehr schöne Alternative und auch der Beweis, dass man in Airlie Beach auch etwas anderes machen kann als nur an der Lagune in der „Innenstadt“ das Hautkrebsrisiko zu erhöhen, indem man sich dort den ganzen Tag brutzeln lässt.
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Da ich noch einen Tag nicht planlos in Mackay rumhängen wollte, musste am heutigen Tag dringend etwas Sinnvolleres passieren als am Vortag. In meinem Nationalparkwahn entschied ich mich dann für einen Besuch im Eungella National Park. Allerdings kommt man da nicht eben mal so mit einem öffentlichen Bus oder so hin – dieser liegt ca. 75 Kilometer westlich von Mackay im Innenland und die einzigen Möglichkeiten ohne eigenes Auto sind im Prinzip ein Mietwagen oder eine organisierte Tour die dorthin fährt. Ich entschied mich für Letzteres und fuhr mit Jungle Johno in einem großen grünen Bus und 6 weiteren Gefährten in den Park. Bei dem Busfahrer handelte es sich um einen etwas älteren pensionierten Australier, der anscheinend sein Leben lang irgendwo in der Zuckerrohrindustrie gearbeitet hat und nun seine Pension mit diesen Touren etwas aufbessert. Schon auf der Hinfahrt durch endlose Zuckerrohrfelder gab es Geschichten über die Zuckerrohrernte und dessen Verarbeitung. Überall hier in der Gegend sind Schmalspurgleise neben den Straßen verlegt, über welche die Tonnen von Zuckerrohr abtransportiert werden. Momentan wird viel geerntet, ich habe aber keine Ahnung ob es gerade Saison dafür ist oder das eh das ganze Jahr über gemacht wird. Wirklich kalt wird es hier ja auch im Winter nicht und ich habe neben den ausgewachsenen Feldern auch viele frisch angepflanzte gesehen.
Nach etwas über einer Stunde Fahrt sind wir dann endlich in die hügelige Eungella National Park Region gekommen und von hier zu Fuß bis zum Finch Hatton Gorge gelaufen wo wir in absolut erfrischenden Aufstauungen des Flusses baden und eine Massage im kristallklaren Wasserfall nehmen konnten. Danach ging es mit dem Bus weiter eine riesige Hügelkette hinauf um dort die vom Busfahrer versprochenen Schnabeltiere sehen zu können. Außerdem gab es hier auch Wasserschildkröten und jede Menge Vögel zu sehen, wir blieben hier bis zum Sonnenuntergang und fuhren dann in der Dunkelheit zurück in Richtung Mackay. Man glaubt es kaum, aber teilweise hörte sich die Fahrt an als wenn man im Hagelschauer fährt. Allerdings handelte es sich bei den Hagelkörnern um lauter kleine Insekten und die Fahrt mit dem Bus ähnelte einem Massenmord – die Frontscheibe sah am Ende nicht mehr wirklich gut aus…
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Nach der 7stündigen Nachtfahrt im Bus bin ich dann pünktlich um 7 Uhr morgens in Mackay angekommen, einem weiteren kleinen Ort irgendwo an der Ostküste – allerdings dann doch groß genug, um ein paar Einkaufsstraßen, Pubs und eine einigermaßen große Auswahl an Unterkünften zu bieten. Abgestiegen bin ich dann im „Geckos Rest“, einem Hostel mitten in der Stadt, welches von ein paar Geckofanatikern betrieben wird. Das ganze Haus ist voll von Geckobildern und Geckofiguren. Sogar direkt an die Wände sind Geckobilder in anthropomorpher Weise gemalt – sehr zu meinem Gefallen, da ich Geckos ja auch sehr gerne mag.
Nach einem ordentlichen Frühstück bin wollte ich den restlichen Tag dann noch einigermaßen produktiv nutzen, mit dem einzigen Problem: Was zum Geier kann man in Mackay machen? Warum bin ich hier überhaupt hingefahren?? Also wurden noch einmal die Informationsbroschüren an der Rezeption studiert und nach einigen Überlegungen bin ich dann einfach zu Fuß Richtung Slade Point gelaufen – irgendeinem Aussichtspunkt am Meer oder so ähnlich, wo es auch noch einen kleinen Weg durch eine Art Naturreservat oder so geben sollte. Die Frau an der Rezeption meinte zu mir man könnte dort in einer Stunde hingehen, leider waren es in der Tat dann doch etwa 10 – 15 Kilometer und es gab nicht wirklich einen Fußweg sondern nur die Möglichkeit an einer recht stark befahrenen Landstraße langzugehen. Nachdem ich mich zuerst in einer riesigen Wattwüste verloren hatte und mit den Füßen bis zu den Knien im Schlamm stecken geblieben bin, dann über eine Art Geländewagenversuchsgelände den Weg zurück zur Hauptstraße gefunden habe und dann die eigentliche Distanz erst realisiert habe, bin ich recht frustriert wieder zurück zum Hostel gelatscht, ohne überhaupt einmal das Meer gesehen zu haben. Aber was solls, diese experimentellen Touren ohne Plan können manchmal toll sein aber halt manchmal auch einfach absolut in die Hose gehen. Heute war nun mal so ein Fall und damit muss ich mich abfinden.
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Ich bin für den Scenic Flight (eine Art Rundflug mit Akrobatikeinlagen…) den ich vor zwei Tagen gebucht habe extra einen Tag länger in 1770 geblieben und dann erzählt mir die Dame an der Rezeption 15 Minuten bevor es losgehen sollte doch tatsächlich, dass ich die einzige Anmeldung für diesen Flugtermin bin und das ganze allerdings erst mit 2 Teilnehmern startet. Noch kurzfristiger konnte mir diese Information ja wohl nicht vermittelt werden. Da blieb mir nur noch die einzige Möglichkeit, schnell durch das ganze Hostel zu rennen und jeden der mir über den Weg läuft anzuquatschen, ob er nicht eben mal Lust hat mit mir auf diesen Flug mitzukommen. Unglaublicherweise hab ich gleich die erste Person, die erst 5 Minuten zuvor aufgestanden war, davon überzeugen können und wir konnten uns dann pünktlich um kurz nach 9 Uhr auf den Weg zum „Flughafen“ (eine in den Busch geschlagene Schneise) machen.
Der Flug an sich war absolut genial, los ging es in einer kleinen Cessna auf der holprigen Startbahn. Kurz nachdem wir einigermaßen an Höhe gewonnen hatten, bot sich dann unter uns auch schon ein atemberaubender Anblick mit Sicht auf 1770, Agnes Water, die Küste und einige Inseln. Vor allem das Watt und die Korallenbänke waren von oben sehr toll anzusehen und schimmerten durch das Sonnenlicht in einem wunderbar hellblau – türkisen Farbton. Nach einigen Minuten fragte uns der Pilot dann, ob wir Probleme mit „so Achterbahnzeugs“ hätten. Dies wurde von uns locker abgetan und im nächsten Moment konnte man uns dann auch schon im Sturzflug schreien hören. Einige Male hintereinander hat er das Flugzeug hochgezogen, um es danach fast senkrecht auf den Boden zuzusteuern, zur Freude seiner zwei Insassen. Das war definitiv besser als Achterbahn fahren, vor allem aufgrund der Aussicht die man von hier hatte und dem schnell und drohend näher kommenden Strand, den Bäumen und Hügeln, mit denen man sich im Sturzflug schon in wenigen Sekunden hätte anfreunden müssen, wenn der Pilot im letzten Moment denn die Maschine nicht wieder hochgezogen hätte. Vor allem mein Rucksack den ich dabei hatte, ist bei jedem Manöver aufgrund des freien Falls immer lustig auf Kopfhöhe in der Maschine rumgeschwebt. Neben dem freien Fall gab es auch noch einige seitliche „fast über Kopf“ – Drehungen und kurz danach durfte ich auch noch selbst für einige Zeit die Maschine fliegen. Zwischengelandet sind wir dann noch auf einem einsamen Strand und nach einem kurzen Aufenthalt ging es dann zurück nach 1770, wieder mit ein paar Akrobatikeinlagen zwischendurch, um das ganze aufzuheitern! Wirklich toll!
Um kurz nach 11 Uhr war ich dann wieder im Hostel und nun musste nur noch ein ganzer Tag irgendwie hinter mich gebracht werden. Ausgecheckt hatte ich schon morgens vor dem Flug, denn ich wollte um kurz nach Mitternacht den Premierbus nach Mackay nehmen. Ich habe mich letztlich doch für Mackay und nicht für das viel näher dran liegende Rockhampton entschieden, aus eigentlich genau 3 Gründen: Erstens wäre ich in Rockhampton mit dem Bus um kurz nach 3 Uhr nachts angekommen. Eine prima Zeit, um sich dann dort vor Ort auf die Suche nach einem Hostel zu machen. Zweitens hätte ich bei der Abreise dann auch wieder um kurz nach 3 Uhr nachts da irgendwo einsteigen müssen. Und drittens habe ich gelesen, dass Rockhampton sich selbst auch das „beef capital of Australia“ schimpft, was für ein furchtbarer Ort für einen Vegetarier. Besser nicht.
Also bin ich um halb 12 Uhr nachts von einem lustigen Australier in einem Busshuttle von 1770 zu irgendeinem Ort im Nirgendwo gefahren worden, wo der Premierbus dann um kurz nach Mitternacht (hoffentlich) anhält und einen einsteigen lässt (ich möchte mir gar nicht ausmalen, was passiert wenn der Premierbus dann doch nicht kommt und man dann da rumsitzt und das Shuttle schon weg ist… Handyempfang gab es da natürlich nicht, den gab es ja noch nicht mal in 1770…). 1770 ist wirklich ein ungünstiger Ort, wenn man mit dem Premierbus fährt. Eigentlich ist Greyhound da viel besser geeignet, der fährt wenigstens direkt und vor allem nicht zu so unmenschlichen Zeiten. Aber gut, dass ich trotzdem mit dem Premierbus gefahren bin. Neben der Tatsache, dass er ja einfach billiger ist, hätte ich sonst auch nicht die lustigen Geschichten vom Shuttlebusfahrer gehört. Der Premierbus war nämlich mal dermaßen zu spät, dass wir noch fast eine Stunde an diesem Ort ohne Namen auf dem nicht beleuchteten Parkplatz warten mussten. Sternenklare kalte Nacht und in der Luft der Geruch von Waldbrand. Da fingen die Geschichten dann auch schon an, denn unser Busfahrer hatte noch einige andere Jobs. Unter anderem löscht er auch Buschfeuer. Mit Feuer. So macht man das hier in Australien. Wasser ist knapp und in den Mengen sowieso nicht einsetzbar, deswegen werden Gegenfeuer gelegt, so dass das eigentliche Buschfeuer irgendwann keine Nahrung mehr hat. Neben dem Busfahrer- und dem Feuerwehrmanndasein rettet er aber auch noch Schlangen aus Häusern von hilflosen Bewohnern der ländlichen Umgebung von 1770. Wenn sich eine Riesenschlange es dann mal wieder irgendwo in einem Wohnzimmer bequem gemacht hat, wird er angerufen und er setzt diese dann in maximal einem Kilometer Entfernung vom Fundort wieder aus, damit sie bald wieder in den Genuss des warmen Wohnzimmers kommen darf oder mal die Küchen antesten kann. Das ist so Gesetz in Australien. Auf jeden Fall in Bezug auf die geschützten Schlangen, ich möchte gar nicht wissen was die Australier mit den nicht geschützten Schlangen machen… Warum ich das aber überhaupt erzähle: Irgendwie hat hier fast jeder mindestens 2 oder 3 Jobs, die irgendwie parallel unter den Hut gebracht werden. Das habe ich nun schon oft gehört und ist hier anscheinend vollkommen normal. Vielleicht sorgt das für Abwechslung und deswegen sind hier vielleicht alle so glücklich. Wie auch immer. Der Premierbus hat uns dann tatsächlich noch irgendwann eingesammelt und ich bin nach einigen Minuten auch sofort eingeschlafen, so vergehen die 7 Stunden Fahrt dann auch schneller. Allerdings etwas wehmütig, denn 1770 / Agnes Water war mit dem Hostel, den Leuten und den Aktivitäten wirklich ein toller Ort. Aber vielleicht komme ich ja noch einmal hierhin zurück...
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Am heutigen Morgen wollte ich mir zum ersten Mal eine richtige Busch – Tour antun. Diese wurde vom ortsansässigen Tourleiter am Vorabend angepriesen, 15 Dollar für ein paar Stunden. Das passt schon irgendwo. Mit einigen Mitstreitern ging es dann um 10 Uhr los und wir latschten durch moskitoverseuchtes Dickicht bis ans Meer, auf dem Weg gab es einen Haufen Erklärungen und auch endlich mal wieder eine dicke Spinne. Und dieses Mal war auch endlich jemand dabei, der seinen Finger für einen Proportionsvergleich in die Nähe der Spinne halten wollte (natürlich der Guide… alle anderen Teilnehmer standen angeekelt mit dem üblichen Sicherheitsabstand davon entfernt). Siehe Fotos. Sie war aber meiner Meinung nach kleiner als die letzte. Auf dem ersten Bild kann man kleine Spinnen zusätzlich erkennen, ob das Babyspinnen sind??
Nach der Rückkehr am Nachmittag habe ich mich dann doch noch spontan dazu entschlossen die so genannte Scooterroo – Tour mit den beiden Israelis mitzumachen. Im Prinzip ist das eine 4 Stunden Tour, auf welcher man mit einer Chopper durch australische Busch- und Küstenlandschaften fährt. Das habe ich nicht bereut, denn das war wirklich mal sehr genial! Da ich noch nie wirklich ein motorisiertes Zweirad gefahren bin sowieso. Und mit maximal ca. 80 Stundenkilometer in einer aus etwa 35 Choppers bestehenden Gruppe über die schwach frequentierten Straßen zu rasen war wirklich eine Mordsgaudi! Zwischendurch haben wir noch für einen Känguru – Beobachtungs- Stopp angehalten wo ich endlich zum ersten Mal seit meiner Ankunft hier in Australien Kängurus in freier Wildbahn sehen durfte. Am Ende gab es noch einen bewölkten Sonnenuntergang (ja! Bewölkt! Das gibt’s hier auch gelegentlich! Und ich hab auch kein Foto von gemacht, keine Angst…) und dann sind wir im Dunkeln zurück gefahren. Wenn man irgendwann mal in 1770 sein sollte: Unbedingt diese Choppertour machen. Die bekommt meine uneingeschränkte Empfehlung!
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Ganz entspannt sind wir um kurz vor 10 mit einigen Leuten zum Surfshop (Reef 2 Beach Surf School) um die Ecke gegangen und haben uns dort für den täglich stattfindenden Surf – Crashkurs angemeldet. Also nix wildes, knapp eine Stunde Einweisung worauf man achten muss und dann 2 Stunden Zeit ums auszuprobieren. Für günstige 16 Dollar, da kann man wirklich nicht meckern. Mehr als reinschnuppern wollten wir ja alle auch erstmal nicht. Ich glaub wenn man es richtig angehen möchte, sollte man sich am besten gleich für ein mehrtägiges Surfcamp anmelden, da hat uns auch der Surflehrer drauf hingewiesen. Und das kann ich ja immer noch machen. Auch wenn ich nicht weiß, ob ich das Geld da dann nicht doch lieber für einige Tauchgänge investiere. Die ersten zwei Stunden rumprobieren im Wasser waren schon sehr spaßig und einige Male hab ich es auch hinbekommen aufzustehen. Wenn auch nur für wenige Sekunden. Muss sehr unprofessionell ausgesehen haben das ganze, aber wenn man mit einem Haufen Leute im Wasser ist, die sich genauso dämlich anstellen, macht das überhaupt nix. Am Ende gab es ein tolles Zertifikat, das ich mir nun an die Wand nageln kann, wenn ich denn eine persönlich gestaltbare und vor allem permanent vorhandene Wand hätte – eine die nicht alle 2 – 3 Tage wechselt so wie momentan üblich …
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