Kovus Welt

Kilometer 11615: Kovu im Traubenparadies 15.02.2008
Ich darf Trauben pflücken (und essen…)! Morgens um 7 fahre ich nun jeden Tag mit dem Auto auf eine große Traubenfarm und pflücke Tafeltrauben. Zusammen mit drei Chinesen, einem Koreaner, einem Brasilianer, einer Engländerin und zwei Deutschen ernten und verpacken wir diese kostbaren süßen Früchte nun im Akkord. Und das geht so:
Gleich zu Beginn eines jeden Tages fahren wir mit dem Trecker und einem riesigen Haufen leerer Kisten in das Traubenfeld, das von einem gigantischen Netz umhüllt ist, um die Trauben vor Vögeln zu schützen. 92 etwa 300 Meter lange Reihen finden sich unter dieser gigantischen Netzkonstruktion, so ein Feld zu errichten kostet in etwa eine Million australische Dollar und benötigt mindestens 5 Jahre bis zur ersten Ernte. Die einzelnen Reihen selber sind wie kleine Tunnel, denn die Reben wachsen über die Reihen hinweg und bilden ein geschlossenes Blätterdach, unter welchem wir mit dem Trecker und dem Trailer gerade so durchfahren können. Das ist insofern praktisch, da kühl und sonnengeschützt zugleich. Die Sonnencreme kann da getrost weggelassen werden. Die Kisten werden in regelmäßigen Abständen links und rechts der Reihe abgeworfen und dann geht es mit kleinen Scheren ans Werk. Abschneiden, Traube festhalten und dann sorgsam in die Kiste legen. Momentan pflücken wir eine grüne kernlose Traube mit dem Namen „Dawn“, findet man mit Sicherheit auch bei uns im Supermarkt. Nachdem alle abgeworfenen Kisten gefüllt sind, wird der Trailer beladen und dann die Ernte in die Halle gefahren, wo die richtige Arbeit eigentlich erst beginnt. Von uns liebevoll auch der „Beautysalon“ genannt, müssen wir hier jede einzelne Traube in schöne Form schneiden, hässliche, zu gelbe oder faule Trauben entfernen, Blütenreste ausschütteln und evtl. noch den Stil kürzen. Alles, damit der Kunde im Supermarkt die Traube dann auch mag, hässliche Trauben kauft ja kein Mensch. Das „Schönmachen“ kostet ungefähr 3-mal soviel Zeit wie das eigentliche Pflücken und erst dann dürfen die Trauben auf den Drehtisch, von welchem sie von einigen Packern liebevoll in 10 Kg – Kisten verpackt werden. Die Kisten kommen dann ins Kühlhaus, wo sie auf fast 0 Grad heruntergekühlt werden und auf diesem Wege bis zu 6 Wochen gelagert werden können. Alle paar Tage kommt ein LKW und holt die fertige Ware dann palettenweise ab und verfrachtet sie nach Donnybrook (die Farm ist weiter außerhalb), von wo aus sie über Perth auf den Markt gelangen.
Interessant ist noch die Geschichte unseres Farmers, denn dieser ist eigentlich gar kein Australier sondern Engländer. In seiner Jugend war er bei der Military Police und unter anderem auch in Deutschland stationiert. Der Name meiner kleinen Heimatstadt Fallingbostel sagte ihm sogar was, dort war er wohl mal 1969. Wie klein doch die Welt ist. Danach war er Berufstaucher für Unterwasserarbeiten. Danach hatte er eine Glasereifirma in England und vor einem Jahr hat er all das verkauft und ist mit seiner ganzen Familie nach Australien ausgewandert – wenn man genügend Geldscheine vorzeigen kann, hat man in diesem Land seine permanente Aufenthaltsgenehmigung sicher. Von diesem Geld kaufte er diese Farm, ohne zuvor in seinem Leben jemals eine Traube gepflückt zu haben. Wie wir lernt er nun jeden Tag dazu, der alte Besitzer ist noch regelmäßig bei der Arbeit dabei und erklärt alles was man als Traubenanbauer wissen muss. Ich weiß nicht, ob das jemanden interessiert – aber ich fand es wieder einmal faszinierend was manchmal rauskommt, wenn man die Leute auf diesem Kontinent nach ihrer Vergangenheit befragt.

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Kilometer 11615: Donnybrook – Arbeitslager Teil 2! 14.02.2008
Regel Nr. 01: Plane nichts, es kommt eh anders als man denkt…
Der ursprüngliche Plan war ja eigentlich in einigen Tagen in Perth zu sein und dort unsere gemeinsame Tour zu beenden, aber Chris wird sich nun doch schon am heutigen Tage von mir trennen. Und schuld bin ich. Oder doch er? Wahrscheinlich wir beide. Nach Donnybrook sind wir eigentlich nur gefahren, weil Chris dort zwei Freundinnen aus der Heimat für einen Tag besuchen wollte. In Donnybrook gibt es ein sehr großes Workinghostel, in welchem die besagten Personen zum aktuellen Zeitpunkt ihr Arbeitsdasein fristen. Im Bewusstsein, dass ich dort eh nicht arbeiten könnte (ich hatte bereits 4 Tage vorher schon telefonisch nach freien Betten und Arbeit gefragt) kamen wir in diesem verschlafenen Ernteörtchen an, nur damit ich feststellen konnte, dass zwar keine Betten mehr frei waren – jedoch noch genug Platz für ein Zelt auf dem Rasen zur Verfügung stand. Und nach einigen Diskussionen und Überlegungen habe ich mich dann tatsächlich dazu entschieden gleich hier zu bleiben und am nächsten Tag mit der Arbeit zu beginnen. Also setzte ich Chris in den Bus nach Perth, der Arme wird es mir sicherlich verzeihen, so weit ist es ja von hier aus nicht mehr.
Und nun werde ich wohl einige Zeit zum Dauercamper werden und nach über zwei Monaten Rumreiserei wieder ein bisschen Geld verdienen. Schauen wir mal was das wird und vor allem auf was für einer Farm ich landen werde… mit Sicherheit werden jedoch dann in den nächsten Wochen nicht mehr tägliche Berichte zu lesen sein, da es einfach wieder nicht täglich was zu erzählen geben wird.

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Kilometer 11480: Cape Leeuwin und Dunsborough 13.02.2008
Nach dem Aufstehen machten wir mit dem Auto noch einen kleinen Abstecher zum Cape Leeuwin, der südwestlichsten Ecke Australiens, wo sich der südliche Ozean mit dem indischen Ozean trifft. Was ich mich immer noch frage: Das Cape ist weder der südlichste noch der westlichste Punkt Australiens. Wie definiert sich dann ein südwestlichster Punkt??? Man möge mich bitte aufklären. Zurück zum Thema. Am Cape Leeuwin gibt es einen kleinen süßen weißen Leuchtturm der an unserem Besuchstag natürlich gerade renoviert wurde und somit die 5 Dollar Eintritt für das Areal unserer Meinung etwas übertrieben waren. Aber was soll man machen – wenn man schon mal hier ist… einige Fotos gemacht, gefrühstückt auf einem Felsen am Meer und dann mit dem Auto die Küstenstraße in Richtung Norden hochgefahren, einen kleinen Badestopp mit tollen Wellen eingelegt und dann auf einem der hässlichsten Campingplätze bisher in Dunsborough übernachtet. Mehr gibt es über den heutigen Tag nicht zu erzählen, deswegen findet mein heutiger Text hier nun ein jähes Ende.

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Kilometer 11329: Augusta und große Kletterbäume 12.02.2008
Einige Kilometer hinter dem Shannon Nationalpark kommt irgendwann ein kleines Örtchen mit dem Namen Pemberton. Nichts wirklich Besonderes, allerdings sollten uns gleich zwei Ereignisse den Tag hier versüßen…
Das erste dieser Ereignisse war sogar geplant! Wir wollen uns einen der sagenumwobenen Kletterbäume genauer anschauen (Gloucester Tree) und sogar besteigen, obwohl viele Leute uns vorher schon davor gewarnt hatten, weil angeblich eine sehr heikle Angelegenheit. Die Kletterbäume haben eigentlich gar nicht den Sinn eines Kletterbaumes, ursprünglich dienten diese Bäume dem Zweck, Buschfeuer möglichst früh zu erkennen – also im Prinzip eine Feuerwacht in luftiger Höhe in den Baumwipfeln wo gelangweilte Freiwillige in früheren Tagen rum saßen und nach Rauchwolken Ausschau gehalten haben. In Zeiten von Flugzeugen, Satellitenbildern usw. braucht man solche Bäume allerdings gar nicht mehr wirklich und mittlerweile sind sie eigentlich nur noch eine Attraktion für Touristen, die überprüfen wollen, ob sie wirklich unter Höhenangst leiden. So wie wir. Also mit dem Auto die paar Kilometer in den Gloucester Nationalpark gefahren, wo uns von einer Schrankenwärterin sofort die 10 Dollar Nationalparkgebühr abgeknöpft wurde. Der Baum war etwa 100 Meter hinter dem Nationalparktor, aber nun ja. Sonst würde die Gebühr wohl freiwillig niemand zahlen, da meiner Meinung nach die meisten wirklich nur für den Baum kommen. Aber zurück zu diesem. Die Plattform auf dem Kletterbaum ist 60 Meter hoch und den Weg erkämpft man sich auf großen Eisennägeln, die wendeltreppenartig in den ca. 1,5 Meter dicken Stamm des Baumes geschlagen wurden und bis zur Plattform führen. Nun muss man sich eigentlich nur noch entscheiden, ob man klettert oder nicht. Gesichert wird hier nix, wenn man fällt dann fällt man und wenn man unten ankommt ist man ziemlich tot. Neben den Eisennägeln ist zwar eine Art Netz angebracht, aber wenn man wirklich mal abrutscht dann hält einen auch das nicht, denn das schützt eigentlich nur von der Seite und der Abstand zwischen den einzelnen Stufen ist so groß, dass man da locker durch passt, es sei denn man wiegt eine halbe Tonne, aber dann könnte das ganze Unterfangen eh kritisch werden, da die die Eisennägel nicht unbegrenzt belastbar sind, die biegen sich schon bei jedem Tritt ein bisschen nach unten (sind ja nur in den Baum geschlagen und eingedreht). Wie auch immer. Ich wollte da unbedingt hoch, Chris hat den sicheren Bodenplatz gewählt. Es dauert seine Zeit, man überwacht jeden Griff und jeden Schritt einzeln und sichert sich bei jeder Bewegung irgendwo gedanklich ab. Kommt man dann höher und höher wagt man gar nicht mehr den Blick nach unten, die Konzentration gebührt den Eisenstangen direkt vor sich und unter den Füssen. Noch weiter oben wird einem dann langsam warm, man fängt an zu schwitzen und das macht sich auch an den Händen bemerkbar. Dies wiederum macht das ganze noch heikler, weil man gelegentlich schon etwas abrutscht von den Eisenstangen. Wenn man dann ganz viel Glück hat, kommen einem am besten noch ein paar Leute beim Klettern von oben oder unten entgegen und man darf sich plötzlich irgendwie auf den 60 Zentimeter langen Eisenstangen zu zweit arrangieren. Am besten ist es meiner Ansicht nach als Runterkletternder außen auszuharren und den Hochkletternden innen vorbei zu lassen. Wenn man dann doch irgendwann oben ankommen sollte, kann man sich jedoch über einen tollen Ausblick durch die Baumwipfel freuen, auch wenn ich der auf den Baum genagelten Plattform nicht wirklich Glauben geschenkt habe. Ganz prima fühlt man sich allerdings erst, wenn man dort oben steht und dann von unten ein krächzendes Motorsägengeräusch hoch schallt, da hofft man dann nur, dass die Baumfäller wirklich wissen wo sie die Säge ansetzen (Ja, da war wirklich ein Motorsägengeräusch, irgendwo in der Nähe wurde ein Klohaus von wuchernden Ästen befreit… !). So ist das. höhenangsttechnisch gesehen muss ich im Nachhinein jedoch sagen, dass einige harmloser aussehende Dinge mir schon mehr Angst eingejagt haben – am Anfang ist die Kletterei schon übel und ein Blick nach unten nicht anzuraten, sobald man jedoch in die Astregionen des Baumes vorstößt, kann man nicht mehr direkt nach unten sehen und das ganze entschärft sich etwas.
Das zweite Ereignis am heutigen Tage war wie schon zu vermuten nicht geplant und es hat mal wieder etwas mit Karre zu tun. Diesmal: Kühlungsleck – ein kaputter Wasserschlauch hat Kühlwasser direkt aus dem Motorraum auf die Straße tropfen lassen und ich musste dementsprechend immer öfter Kühlwasser nachfüllen. So wild war es jedoch dann doch nicht, den Schlauch habe ich in einer Werkstatt in Pemberton für einige Dollar austauschen lassen und schon konnten wir in der Abenddämmerung diesen Ort verlassen und uns auf den Weg in Richtung Augusta machen, unserem ersten Ort an der richtigen „Westküste“.

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Kilometer 11126: Shannon NP 11.02.2008
Die Bäume werden immer größer. Ich hätte nicht gedacht, dass es in Australien solche Bäume gibt – zumindest nicht in den Nicht – Regenwaldregionen. Da wo es trocken ist, stellt man sich das ganze eher klein, karg und mickrig vor, allerdings wird man hier eines Besseren belehrt. Der Shannon Nationalpark ist im Prinzip ein Wald mit einer riesigen Fläche, bestückt mit gigantischen Eukalyptusbäumen die 70 Meter und höher werden können. Die Straßen schlängeln sich hier langsam durch das Dickicht, selbst die Leute die sonst nicht ständig mit Licht fahren schalten es hier gewiss an. Angenehm kühl ist hier die Luft und von hervorragender Qualität. Das scheint nicht nur meine Person zu genießen, sondern auch die Kängurus, die es hier anscheinend in Massen gibt haben wohl ihre Freude daran. Die zeigen sich hier nämlich nicht nur in den Morgen- und Abendstunden wenn es angenehm kühl ist, sondern den ganzen Tag über. Bevorzugt hüpfen sie direkt vor meiner Motorhaube von rechts nach links und jagen mir einen wahnsinnigen Schock ein und fordern meine Bremsen auf ihr Äußerstes, gleich zwei Mal hintereinander war es heute so knapp wie nie zuvor. Ich kann wirklich nur jedem empfehlen hier bloß nicht schneller als 80 zu fahren, Warnschilder gibt’s hier komischerweise kaum welche. Wahrscheinlich weil sie den gewöhnlichen Australier eh nicht davon abhalten würden mit seinem großen 4WD mit 140 durch die Kurven zu jagen.
Die heutige Hauptattraktion (und auch die Kostspieligste) war der „Tree Top Walk“ irgendwo die Straße ab im „Valley of the Giants“, die Schilder kann eigentlich kein Mensch verfehlen. Recht touristisiert kann man hier über eine 600 Meter lange und in 40 Metern Höhe in den Bäumen aufgehängte Metallbrücke gehen und die Waldwelt von oben sehen. Das war wirklich ganz nett, auch wenn ich der Konstruktion nicht immer so voll und ganz vertraut habe, das liegt aber wohl eher an meinem Hang zur Höhenphobie und nicht an einer ingenieurstechnischen Pfuscherei der Erbauer. Und da dieser Event in ungefähr jedem Australienreiseführer der Welt erwähnt ist, ist es denke ich auch durchaus seine 8 Dollar Eintritt wert. Das passt schon.
Übernachtet haben wir dann auf einem Campingplatz direkt im Shannon NP unter großen Bäumen in weichem Laub. Das war angenehm, aber ich glaube in der Nacht war es noch nie zuvor so dunkel (und evtl. etwas unheimlich dadurch…).

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Kilometer 10900: West Cape Howe NP 10.02.2008
Direkt südlich von Albany liegt in einigen Kilometern Entfernung ein weiterer Nationalpark mit dem Namen Torndirrup. Hier kann man jede Menge wandern, die Hauptattraktion stellen jedoch „the Gap“ als auch „the Bridge“ dar - eine Steilküstenfelsformation und ein riesiger Felsen der sich im Laufe der Zeit zu einer großen Steinbrücke entwickelt hat. Nett anzuschauen, allerdings hat es uns außer für einige Fotos und ein bisschen Kletterei auf den Felsen nicht zu einem längeren Aufenthalt überzeugen können. War aber auch gar nicht geplant, der heutige finale Stopp sollte ein Campingplatz im West Cape Howe Nationalpark werden, genauer gesagt Shelley Beach – einem wunderschönen Strandcampingplatz mit genialen Wellen für uns im heutigen abendlichen Bad im Meer. Über eine kleine Straße mit dem tollen Namen „cosy corner road“ gelangt man durch einen Eukalyptuswald mit riesigen Bäumen irgendwann an diesen Ort. Die einzige Spur von Zivilisation sind hier ein paar Windräder auf einigen am Horizont zu erkennenden Hügeln – aber ich werde mich bestimmt nicht darüber beschweren, dass Australien tatsächlich mal auf regenerative Energieformen setzt. Ich glaube sogar, dass das das erste Mal gewesen ist, dass ich auf diesem Kontinent ein Windrad sehe. Also ich rede von so richtigen Windrädern, diese großen weißen Spargelstangen über dessen Aussehen sich die Atomkraftbefürworter lächerlicherweise immer aufregen… aber lassen wir das. Ein tolles Camping am Meer also. Mehr gibt’s nicht zu sagen.

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Kilometer 10796: Albany 09.02.2008
Albany ist schön. Diese Stadt hat es uns wirklich angetan, nicht nur weil es hier fast alles gibt was das Konsumherz erfreut, sondern auch weil sie anders als die australische Quadratstandardstadt ist. Über ein paar Kreisel kommt man in die Stadt herein, vorbei an Coles, Woolworth und dem sonstigen Einkaufstrubel, das Übliche. Dann allerdings wird die Straße klein und schleicht sich langsam einen kleinen Berg hinab, links und rechts gemütliche Lädchen und Cafes, es gibt sogar richtige (nach Kirche aussehende) Kirchen und ältere Häuser hier. Blickt man die Straße weiter entlang, schaut man direkt auf die Princess Bucht an welcher die Stadt liegt, kristallklares Wasser, hinter der Bucht wieder Land in hügeliger Form welches einen Nationalpark darstellt. Mit dem Auto kann man das ganze auch toll aus einer etwas luftigeren Perspektive sehen, man fährt einfach auf den Doppelhügel südöstlich hoch – hier gibt es auch einen Lookout und irgendein Kriegsdenkmal.
Gecampt haben wir am Middleton Beach, hier gibt es einen recht noblen Campingplatz direkt hinter der Düne, nett aber uns fast zu familiär. Und über den 6 km langen Scenic Drive über den Südhang des Aussichtshügels ist man sehr schnell wieder in der „Innenstadt“ von Albany.
Nun ja. Es gibt auch mal wieder eine Änderung der Reisegruppenkonstellation, Franzi wird hier in Albany aussteigen und den Direktbus nach Perth nehmen. Da waren wir noch zu zweit…

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Kilometer 10300: Fitzgerald NP 08.02.2008
Nach dem Frühstück gab es einen kleinen Infostopp in Ravensthorpe, wo wir die örtliche Touristendame nach Infos über den Fitzgerald NP ausquetschten, um dann zu erörtern ob sich der Besuch lohnt. Wir entschieden uns dann, nach Hopetoun an die Küste zu fahren und von dort über den Hamersley Drive durch den Nationalpark die Route zurück zum South Coast Highway zu nehmen, ein Umweg von unter hundert Kilometern. Das Wetter war zwar irgendwie kalt und windig (ein Phänomen das uns die letzten Tage schon begleitet, oft ist es morgens wolkig bis zur Mittagszeit und manchmal klart es dann auf…) aber der Nationalpark ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Die Pflanzenwelt hier ist schon sehr hübsch anzusehen, angeblich soll es zur Hauptblütezeit noch viel schöner sein – nun ja, man kann nicht überall zum richtigen Zeitpunkt sein.
Ein paar Kilometer hinter dem östlichen Parkgate stellt sich dann einem gleich der East Mt. Barren in den Weg, den man recht gemütlich hoch wandern kann wie wir es getan haben. Einen tollen Blick über den Park und angeblich bis nach Esperance soll man hier haben. Für uns leider nur eine recht diesige Sicht aufs nahe Meer und Umland, aber trotzdem schön. Noch einige Kilometer weiter die Straße entlang kann man irgendwo links abbiegen und gelangt dann zum Hamersley Inlet, ein dem Meer vorgelagerter Salzsee der vom Hamersley River gespeist wird. Hier gibt es zwei primitive Campingplätze von denen einer unser heutiges Zuhause werden sollte.

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Kilometer 10146: Esperance und ein weiterer Strand… 07.02.2008
Wie immer brauchten wir nach einigen Tagen mal wieder den üblichen Zivilisationskram und eine Menge Internet, dafür bot sich eine Nacht in Esperance von gestern auf heute schon förmlich an. Esperance selber bekommt von mir die Auszeichnung einer netten kleinen Stadt am Meer - viel Tourismus und alles was man braucht gibt es hier. Bevor wir hier angekommen sind, hörten wir von vielen Leuten, die hier schon mal waren nur absolut Positives - entsprechend war die Erwartungshaltung extrem hoch. Sagen wir es einfach so: Esperance und Umgebung: Genial und in Kombination unbedingt anschauen! Nur Esperance: Auch nett, aber ohne das Umland nur halb so schön.
Egal. Heute wurde dieses Kapitel dann trotzdem abgeschlossen, allerdings konnten wir aufgrund der vielen Erledigungen mit dem nicht mehr besonders langen Resttag nicht mehr viel anfangen. Also suchten wir uns einen etwas abgelegenen Campingplatz am Meer aus, der zwar nicht so weit von Esperance weg war, aber trotzdem nur durch eine 10 Kilometer lange Pistenstraße zu erreichen war die für Karre schon nah an der Grenze lag. Ein 4WD wäre hier wirklich nicht schlecht gewesen, Bodenwellen ohne Ende. Dafür war der Strand dann aber auch noch verlassener und die Wellen noch höher! Und auf dem Campingplatz gab es wirklich nur die nötigsten Einrichtungen und sehr seltsame Leute die alle danach aussahen als wäre dieser Campingplatz ihr Zuhause…

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Kilometer 10024: Cape Arid – Yokinup Bay 05.02.2008
70 Kilometer rote Piste trennten uns vom Cape Arid Nationalpark, dem östlichsten Punkt auf der Höhe von Esperance, den man mit einem 2WD Auto besuchen kann. Nicht viele Besucher kommen hierher, denn es ist einfach eine zu weite Strecke und die meisten Urlauber bleiben wohl im Cape Le Grand NP hängen. Dies ist wohl auch der Grund für die dort überfüllten Campingplätze und die regelrecht verlassenen Plätze hier im Cape Arid Park. Soll uns nicht stören, hier hatten wir eine schöne ruhige Nacht direkt am Thomas River, der hier ins Meer mündet und Strände für uns ganz allein, in der gleichen Schönheit die wir auch weiter westlich vorgefunden haben. Auch die Campinggebühren sind hier erheblich günstiger, überall hängen Zettel, dass das Spendensystem des Platzes auf dem wir waren (Shire Campsite) irgendwann abgeschafft und feste Gebühren für eine Übernachtung eingeführt werden sollten – allerdings ist es anscheinend bis heute nicht dazu gekommen. Und so kann man hier mit 2 Dollar pro Nacht und Person mit gutem Gewissen schlafen, man wirft das Geld einfach ohne Registrierung in eine Art Spardose (oder auch nicht??). Ich habe auf diesem Campingplatz jemanden getroffen, der hier schon seit Wochen wohnt und nicht danach aussah, als würde er bald abreisen wollen. Ein friedlicher Platz für diejenigen, die kein Problem damit haben, die Natur als einzige Gesellschaft auf längere Zeit anzusehen (und irgendwie das Problem mit der nicht vorhandenen Dusche lösen können...).

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Kilometer 9892: Esperance und Cape Le Grand NP - Lucky Bay 04.02.2008
Durch Norseman hindurch waren es nur noch 200 Kilometer bis Esperance, der Stadt am Meer die unser heutiges Ziel sein sollte, es dann jedoch irgendwie doch nicht war. Wir wollten eigentlich „außerhalb“ von Esperance zelten, allerdings war „außerhalb“ dann im übertragenen Sinne doch eine 40 Kilometer Fahrt in den Cape Le Grand Nationalpark hinein. Nicht bereut haben wir diese Entscheidung, denn angeblich soll es hier die schönsten Strände Australiens geben – und so war es auch. Nicht, dass ich mir anmaßen würde das beurteilen zu können, denn dafür fehlt mir eine entsprechende Vergleichsbasis – aber hier war es wirklich nett. Sogar bei bewölktem Himmel sah die Lucky Bay Bucht noch toll aus, die Bucht in der auch unser – leider überfüllter – Campingplatz lag. Am Strand war allerdings trotzdem nicht viel los. Auch nicht am nächsten Morgen, an welchem wir eine kleine Wanderung zur Nachbarbucht und zurück unternommen haben.
Gegen Nachmittag kletterten wir dann noch Frenchmans Peak hoch, ein kleines Felshügelchen mit steilem Aufstieg, einer großen Höhle auf der Spitze und einem prima Blick über einen Großteil des Nationalparks. Und als wir den Park eigentlich schon wieder verlassen wollten, konnten wir nicht widerstehen und fuhren noch schnell mit dem Auto zum Le Grand Beach, um festzustellen, dass es sich um einen 22 Kilometer – Strand handelt, der eigentlich gar nicht mehr zum Nationalpark gehört und mit dem Auto befahrbar ist. Leider nicht auf unserer Route gab es trotzdem ein paar Testfahrten mit Karre, und die Erinnerungen an Fraser Island kamen wieder hoch…

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Kilometer 9316: Nullarbor – Baxter 03.02.2008
Nicht wirklich viel berichten kann man über den heutigen Tag. Im Prinzip war es eine endlos lange und absolut langweilige Autofahrt ohne groß das Lenkrad bewegen zu müssen. Die einzige Abwechslung boten die gelegentlichen Krämpfe im Gaspedalfuß (warum hab ich ein Auto ohne Tempomat gekauft?) und die offiziell längste gerade Strecke Australiens die wir heute passierten: 146,6 Kilometer ohne eine einzige kleine Kurve nur geradeaus! Was eine Freude. .
Nun ja – zumindest gab es einen gratis – Campingplatz am Straßenrand mit einem süßen kleinen Plumpsklohäuschen und einer darin wohnenden altersschwachen Huntsman – Spinne…

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Kilometer 8894: Eucla – Offizieller Tag der Lookouts… 02.02.2008
Heute sollte es endlich über die Grenze nach Westaustralien gehen. Nicht jedoch, ohne zuvor offiziell das Nullarbor zu betreten, das große Areal ohne Bäume (das bedeutet das Wort Nullarbor, kommt aus dem Lateinischen…). Ein paar Bäume gibt es manchmal trotzdem, jedoch wirklich nur sehr selten. Vor der Grenze folgt der Highway im Prinzip genau der Küste, über 100 Kilometer geht es wenige hundert Meter entfernt vom Kliff fast nur geradeaus. Und es gibt genau 7 Aussichtspunkte, die in unserer Karte verzeichnet waren – natürlich mussten diese ausnahmslos besucht werden um vor Ort eine große Fotosession zu starten. Eigentlich sind diese Lookouts vom Aufbau ziemlich gleich, man biegt von der Hauptstraße ab, folgt einem Pistenweg ein kurzes Stück und landet dann auf einem Parkplatz von wo aus man nur noch wenige Schritte vom eigenen Verderben entfernt ist. Dort tastet man sich so lange zum Abgrund vor, bis die zittrigen Knie dem Entdeckungsdrang eine Grenze setzen und bewundert ungläubig das Ende der Welt, ständig hoffend, dass das Felsstück auf dem man sich selbst befindet nicht das nächste Opfer der tobenden Wellenerosion weiter unten in der Tiefe ist.
Irgendwo an einer der letzten Tankstellen hatte uns ein Ehepaar noch schnell ihre letzten Obst und Gemüsevorräte anvertraut – denn an der Grenze nach Westaustralien gibt es einen Fruchtfliegenkontrollpunkt, an welchem man jegliches Obst, Gemüse, Obst- und Gemüseverpackungen usw. über Bord werfen muss. Somit kombinierten wir unsere eigenen Vorräte mit den geschenkten Lebensmitteln und bereiteten auf einer wenig belebten Raststätte wohl das gesündeste Fruchtfestmahl seit Monaten in unserem größten Kochtopf zu. Mhhh!
Nach der Grenze waren es dann nur noch etwas mehr als 10 Kilometer bis Eucla, unseres heutigen Übernachtstopps. Die Hauptattraktion an diesem Ort im Nichts ist übrigens die Tankstelle und eine Telegraphenruine weiter unten in Strandnähe.

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Kilometer 8445: Cactus Beach 01.02.2008
Den Ort Ceduna, den wir heute als letzten Außenposten vorm großen Nichts passierten, brauche ich eigentlich nicht wirklich erwähnen. Hier kann man einkaufen. Punkt. Das wars dann auch schon. Und hinter Ceduna kommt wirklich absolut gar nichts mehr. Auf jeden Fall was Städte und Ähnliches angeht.
Aber: Etwa 75 Kilometer hinter Ceduna liegt Penong und hier kann man vom großen Highway abfahren und landet dann auf einer Straße aus Salz. Getestet und für gut befunden von uns, prima zu befahren und schmeckt bei der Berührung mit der Zunge wirklich sehr salzig! Eine geniale Landschaft war hier vor uns zu sehen, links und rechts nur ganz karge Pflänzchen – eine weiße Straße und am Horizont riesige gelbe Sanddünen. So etwas hatten wir alle noch nicht gesehen und die Begeisterung ist schwer in Worte zu fassen. Fährt man weiter in Richtung Meer, wird es immer seltsamer. Wieder die Straße aus Salz, links ein Salzsee mit Wasser drin, rechts das ausgetrocknete Pendant dazu, diesmal die gelbe Düne direkt dahinter. Und als wir dann endlich am Cactus Beach angekommen waren kam noch ein knallblaues Meer dazu, mit unglaublich hohen Wellen und einem nicht empfehlenswerten Badeerlebnis (wir wären sehr gerne schwimmen gegangen aber es war einfach zu gefährlich…).
Cactus Beach ist ein inoffizielles Surferparadies mit einem sehr einfachen Campingplatz hinter der Düne, auf welchem zur Dämmerungszeit ein Campingplatzwärter kommt, die Mülltonnen leert und das Geld für die Übernachtung kassiert. Simpel aber genial. Das salzige Wasser für die Dusche wird mit einer windbetriebenen Pumpe durch die Gegend gepumpt, „no wind, no water“ ist hier die Devise. Aber an diesem Örtchen ist es sehr unwahrscheinlich, dass man an einem Tag mal keinen Drachen steigen lassen kann. Salzwasserduscherlebnis und somit die persönliche Körperhygiene sind somit garantiert!
Nun ja. Zurück zur Schönheit dieses Ortes. Wenn man von den genialen Ausblicken auf Meer und Wellen immer noch nicht genug hat, kann man sich noch auf den Weg zum Chadinga Conservation Reserve machen. Liegt gleich nebenan und verkörpert die hohen Sanddünen, die man bei dem kühlen Wind recht bequem hoch wandern kann. Der atemberaubende Blick über die entfernte Umgebung und die endlose Klifflandschaft erreicht hier seinen Höhepunkt. Den Sonnenuntergang am Abend werde ich nun nicht mehr kommentieren, sagen wir einfach, dass er zu allem anderen hier gepasst hat… Cactus Beach und die Umgebung kommt in meiner Liste der schönsten Orte Australiens definitiv auf einen Platz ganz an der Spitze!!!

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