Nur noch eine einzige Busfahrt durch die Nacht trennte mich von dem Ort, an dem vor knapp 10 Monaten alles begonnen hatte - Brisbane. Am Dienstag Abend sollte mein Flieger gehen, somit blieben mir noch 4 Tage Zeit um langsam Abschied zu nehmen von diesem Land, das ich bestimmt nicht zum letzten Mal besucht habe.
Ein bisschen wehmütig bin ich mittlerweile schon, man freut sich zwar auf Zuhause, aber die Zeit hier ist einfach viel zu schnell vergangen. Es kommt mir vor wie gestern, als ich in Brisbane am Flughafen in den endlosen Warteschlangen stand und auf meine Einreise gewartet habe und die Lebensmittelröntgenmaschine die eingepackten Brausetabletten im Inneren meines Rucksacks diagnostiziert hat. Und die ersten Nächte im Hostel, die so furchtbar kalt waren obwohl wir tagsüber um die 30 Grad hatten. Die komischen Ampeln mit ihren quietschenden Geräuschen als hinweisendes Signal, dass man endlich die quadratisch angelegten Straßen überqueren darf. Der Ausflug zum Mt. Coot - Tha, wo ich mir eingebildet habe meinen ersten australischen Busch zu sehen... heute würde ich es eher als ein kleines stadtnahes Stückchen Wald beschreiben.
Aber das waren ja alles nur die ersten Eindrücke. Was letztlich vom Jahr überbleibt ist ja auch noch etwas ganz anderes. All das was ich gesehen und gemacht habe, all die Leute die man kennen gelernt und mit denen man teilweise lange Wochen gereist ist oder zusammen gearbeitet hat, die ganze Natur, unzählige Nationalparks, Traumstrände die man ganz für sich alleine hat, Berge, endlose Ebenen ohne Bäume, tägliche Bilderbuchsonnenuntergänge, tägliche Bilderbuchsonnenaufgänge, neugierige Kängurus, nervige Insekten und Moskitos, kleine Kuhkäffer in denen auch in 200 Jahren noch nicht mehr los sein wird im Kontrast zu den tollen Großstädten an den Küsten, gigantische Wasserfälle, 8 Liter konsumiertes Wasser innerhalb von 6 Stunden bei der Kürbisernte, genervte Riesenspinnen in den Weinreben - deren Netz zum hundertsten Mal vom Trecker kaputt gemacht wurde und wie sie es zum 101sten Mal tapfer wieder neu aufbauen, tagtägliche Kämpfe um das beste Kochequipment in den Hostels, das ständige Gefühl dass man etwas vergessen hat beim letzten Mal Sachen packen, die krampfhafte Suche nach der nächsten Touristeninformation, das gute Gefühl nach 3 Tagen Outback wieder duschen zu dürfen, Baden in genial hohen Wellen die einen rumwirbeln und daran erinnern wie klein und unbedeutsam man ist, Donut - Kampf - Käufe abends um 19:40 Uhr im Coles um die Ecke, Tauchen mit Haien, stundenlange Wanderungen bei über 40 Grad, Schwimmen in mit eiskaltem Wasser gefüllten Schluchten, extreme Freude über einen Internetzugang mit einer gefühlten Bandbreite von <56kbit, die tagtägliche Sonnencreme morgens mittags und manchmal auch noch abends, australischer Billigwein in Pappkartons und das Unvermögen diesen in Supermärkten zu kaufen, der glückliche Gedanke an die hohe Qualität deutschen Leitungswassers beim Konsum von australischem Flaschenwasser aus dem Supermarkt, der Gedanke daran ob der Roadtrain mit über 20 Achsen wohl an der nächsten Ampel halten wird oder nicht, das Bewusstsein darüber dass Laptopfestplatten keine holprigen Pisten mögen, plötzlich streikende Autos im Nirgendwo, die Tatsache in der prallen Sonne zu stehen aber trotzdem keinen sichtbaren Schatten zu werfen, laut Musik hören auf einer Straße ohne Ende, sich eine Sanddüne runterzukugeln die so groß ist wie eine deutsche Kleinstadt, den Sand der Düne noch 3 Tage später mit sich rumtragen, einfach irgendwo sitzen und glücklich sein, auf einer Decke zu liegen und über einem die Sterne zu betrachten die so klar sind wie nie zuvor.
Diese Liste könnte ich bestimmt noch lange fortsetzen, vieles steht auf dieser Seite wenn man sich die Zeit nimmt - manches aber auch nicht. Ich musste Dinge aufgeben, um hier gewesen sein zu dürfen. Nicht immer ist alles glatt gelaufen, es gab geniale Wochen und manchmal aber auch Tage an denen alles doof war. Bereuen tue ich jedoch nichts. Wenn ich nochmal entscheiden müsste: Ich würde es wieder so machen. Genau so.
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