Ein paar Erledigungen am Morgen, ein großer Einkauf bis das Auto wieder aus allen Nähten platzte und schon ging es wieder auf den Highway Nr. 01 in Richtung Norden – unser heutiges Ziel sollte etwas ziemlich Seltsames werden…
Irgendwo zwischen Northampton und Kalbarri sind wir vom Highway abgefahren und haben dann mittels einer Pistenstraße Australien verlassen und die Grenze zum Fürstentum Hutt River überschritten. Hier hat Farmer Leonard George Casley vor über 30 Jahren für seine Farm die Unabhängigkeit von Australien erklärt und irgendwie habe ich jetzt nach einigen Recherchen im Internet immer noch nicht raus gefunden ob man dieses Fürstentum nun als souveränes Land ansehen kann oder nicht. Die Diskussionen darüber sind kontrovers und ich habe gerade wenig Zeit mich damit genauer zu beschäftigen. Man möge das für mich erledigen. Fakt ist jedoch: Das war seit langem das Verrückteste was ich hier auf dem australischen Kontinent gesehen habe. Nach dem Grenzschild und einer Brücke über den Hutt River sind wir nur noch um die Kurve gefahren und dann sahen wir auch schon das Eingangstor zur Hutt River Farm, die offizielle Hauptstadt des Landes. Es war schon Abenddämmerung und die offizielle Öffnungszeit für Besucher war für den heutigen Tag leider schon verstrichen. Etwas düster und verlassen sah das ganze für uns aus, bis dann plötzlich Prinz Leonard höchstpersönlich vor uns stand und uns erklärt hat wo wir campen könnten, wo die Toiletten sind und dass zwischen 10 und 11 der Generator abgeschaltet wird und dann gar nichts mehr geht. Prima. Also Abendessen gekocht und dann relativ bald schlafen gegangen.
Am nächsten Morgen durften wir uns dafür jedoch umso mehr freuen – nämlich über eine persönliche Führung des Prinzen durch sein Königreich! Es gibt hier eine Post, eine eigene Währung mit Scheinen und Münzen, eigene Briefmarken, Postkarten, ein Gouvernment Office wo die Ein- und Ausreiseformalitäten erledigt werden (ja man kann sogar einen Stempel in den Pass für das „Visum“ erhalten… - ich bin nun stolzer Besitzer eines solchen Stempels, interessanterweise trägt dieser Stempel das Datum des heutigen Tages… der 01. April… Nein! Das ist wirklich alles echt hier und kein Scherz!), ein Denkmal von seiner Hoheit, eine Kirche, einen Flaggenmast mit der Staatsfahne, einen Souvenirladen und die königlichen Sanitäranlagen allerhöchster Güte. Alles in allem gibt es hier alles was man für den modernen Staat braucht. Ich fand es toll. Auch wenn wir eigentlich doch nur im Nirgendwo auf einer Farm im Nichts sind…
(wer mir immer noch nicht glaubt, dass das wirklich existiert und nicht nur eine Attraktion für die Touristen darstellt, kann mal den folgenden Bericht lesen den ich gefunden habe… Klick)
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Nach unserer zweiten Nacht auf einer Raststätte ging es heute sofort weiter in Richtung Nambung National Park, wo wir uns eine recht bekannte Sehenswürdigkeit anschauen wollten – die Pinnacles. Im Prinzip eine kleine wüstenartige Region mit Büschchen und gelbem Wüstensand in welcher man bis zu 4 Meter hohe Felsformationen vorfindet, die Termitenhügeln sehr ähnlich sind, allerdings aus Kalkstein bestehen. Man kann sich nach dem Bezahlen der Nationalparkgebühr entscheiden, ob man mit dem Auto eine etwa 3 Kilometer lange Piste durch die Steine nimmt oder ob man das ganze zu Fuß erkunden möchte. Wir haben uns für die anstrengendere Alternative entschieden. Schön war, dass wir anfangs das gesamte Areal für uns alleine hatten, da so früh morgens kaum jemand hier war. Erst nach einer Stunde sind die ersten Tourenbusse eingetrudelt, viel mehr Zeit brauchten wir hier aber auch nicht wirklich.
Über Cervantes sind wir dann die Küstenstraße weiter hoch bis nach Geraldton gefahren, wo wir uns die nächsten zwei Tage ein wenig entspannen wollen. Reisen ist anstrengend, vor allem wenn man die letzten zwei Nächte auf Raststätten geschlafen hat und morgens keine Dusche zur Verfügung stand.
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Vor dem Frühstück wurden wir als allererstes einmal von den Rangern des nahe gelegenen Yanchep Nationalparks aufgesucht, die uns total freundlich nur darauf hinweisen wollten, dass wir doch bitte kein Feuer machen sollten. Wir hatten im ersten Moment etwas Angst, dass sie sich an unseren direkt neben der Raststätte errichteten Zelten störten – das hingegen war allerdings anscheinend überhaupt kein Problem. Und da wir natürlich auch kein Feuer gemacht hatten und dies sowieso auch nicht vorhatten, sind sie dann nach einer Minute auch gleich wieder weitergefahren. Nur mal „hallo“ sagen also. Warum auch nicht.
Mit dem Auto sind wir dann ein paar Kilometer zurück in den Yanchep Nationalpark hinein gefahren, leider ist auch dieser Park wieder irgendwo ein Opfer der Bevölkerung von Perth geworden. Absolut gut ausgebaut mit Parkplätzen, Souvenierläden und Barbequemöglichkeiten an allen Ecken hat man hier ein Fleckchen Natur das für Familien mit Sicherheit ideal ist, aber uns etwas aufgestoßen ist, da es irgendwie wie ein Vergnügungspark wirkt in welchem anstatt von Fahrgeschäften ein hübscher See und ein Koalagehege zu finden sind. Natürlich ist das toll, wenn die Familien hier mit ihren Kindern hinfahren können und Toiletten und Essen und überhaupt alles vorhanden ist und man trotzdem ein Stückchen saubere Natur erleben kann. Wir suchen allerdings dann doch irgendwo eher nach einem Nationalpark wo die Zivilisation möglichst weit weg ist und die Straße gerade so passierbar, je weniger Leute umso besser und irgendwo wenigstens noch ein Hauch von Abenteuer in der Luft schwebt. Nun ja, immerhin hab ich endlich meine ersten Koalas in Australien gesehen – wenn auch immer noch nicht richtig in der „freien Natur“ (Nationalpark hin oder her – die Koalas hatten definitiv eine Mauer um ihre Bäume drum herum gebaut bekommen und konnten bestimmt nicht 100%ig so wie sie wollten… Auch wenn das Koalas zu 99% bestimmt ziemlich egal sein wird, so aktiv wie diese Tiere sind…).
Gegen 3 Uhr sind wir dann über Lancelin und den Brand Highway mit einem kleinen eingelegten Badestopp Richtung Norden gefahren, die letzten Kilometer schon in stockfinsterer Nacht. Am Horizont ist uns allerdings irgendwann ein orangefarbener Fleck aufgefallen, der mit der Zeit immer größer wurde und von uns dann tatsächlich als Waldbrand identifiziert wurde, unglücklicherweise folgte der Straßenverlauf immer diesem Fleck und wir sahen uns schon mit dem Ende unserer Reise konfrontiert. Das Feuer lag direkt neben dem Highway und einige Feuerwehrleute standen dort rum, einer der Feuerwehrmänner entzündete hier kontrolliert den Busch. Das Legen von kontrollierten Gegenfeuern ist in Australien meistens der einzige Ausweg um ein Buschfeuer zu stoppen, so hatte es mir schon damals der Feuerwehrmann im Town of 1770 erklärt, als wir eine Stunde auf den Bus warten mussten (siehe Bericht vom 04.10.2007…). Dass ich das tatsächlich aber mal sehen sollte hätte ich nicht gedacht. Es war aber auf jeden Fall doch schon ziemlich Furcht einflößend. Meterhohe Flammen schlugen hier in den Himmel, die linke Seite der Straße glutrot, die rechte nicht brennende Seite der Straße vom Feuer hell erleuchtet, kilometerhoch in den Himmel ragende Rauchschwaden die vom Feuer selbst wieder angestrahlt und somit sichtbar waren, sogar in der Nacht. Im Feuer selbst konnte man ständig Äste und ganze Bäume erkennen, welche von der Glut so zerfressen wurden, dass sie auf einmal in einem großen Ascheschwall zu Boden fielen. Und als wir dann mit dem Auto direkt nebenher fuhren, wurde es so extrem warm, dass ich für einen kurzen Zeitpunkt Angst hatte, dass die Reifen platzen wuerden oder Aehnliches. Wie auch immer. Schön ist es nicht, dass der Busch brennt – beeindruckend war es trotzdem.
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Nach dem Auschecken aus dem Campingplatz sind wir mit dem Auto in die Innenstadt von Fremantle gefahren, um uns die alte Hafenstadt mit ihren historischen Gebäuden noch etwas näher anzuschauen. Unseren Fokus legten wir auf das Fremantle Prison, ein über 150 Jahre altes Gefängnis das 1991 geschlossen wurde und nun hauptsächlich für Besucher ohne kriminalistischen Hintergrund seine Pforten öffnet. Für recht wenig Geld kann man hier eine sehr interessante Führung durch das Gefängnis machen. Unser Führer sah wirklich aus wie ein Gefängniswärter und hat uns irgendwo fast wie Gefangene behandelt, das hat das ganze sehr realistisch wirken lassen. Wirklich zu empfehlen.
Nach Fremantle sind wir dann am Nachmittag noch einmal nach Perth rein gefahren, haben im alten Brauereiparkhaus östlich vom Kings Park geparkt und sind dann zu Fuß noch einmal richtig durch die Innenstadt spaziert (ohne etwas erledigen zu müssen…), bis wir dann im Dunkeln vom östlichen Kings Park Lookout einen tollen Blick auf die leuchtende Skyline erhaschen konnten.
Mit dem Auto ging es dann raus aus der Stadt, Richtung Norden wo wir zum ersten Mal unsere tolle Neuanschaffung ausprobieren wollten: Das Camp 4 Buch mit Australienkarte und Campingplatzbeschreibungen und Vorschlägen. 60 Dollar hat uns dieses Buch gekostet, mir wurde es allerdings bedingungslos empfohlen, da man die Kosten für diese Anschaffung wohl nach einigen Nächten wieder durch Übernachtungseinsparungen zurück erstattet bekommt – schauen wir mal ob das stimmt. Die heutige erste Nacht auf einem Rastplatz am Highway wird uns auf jeden Fall schon mal überhaupt nichts kosten, direkt an einem Waldstück gelegen gab es hier ab Mitternacht eine bedingungslose Ruhe – so unglaublich still war es glaube ich schon seit Monaten nicht mehr…
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69 Dollar haben wir für die 40minütige Fahrt nach Rottnest Island inklusive Leihgebühr für ein Fahrrad pro Person gezahlt, zuviel ist das bestimmt nicht. Auf jeden Fall ging es morgens um halb 10 los und eine Stunde später saßen wir bereits auf unseren kleinen klapprigen Leihrädern mit unserem absolut modischen Fahrradhelm. Fahrradhelmtragen ist in Australien übrigens Pflicht und tut man es nicht braucht man nicht lange auf das Bußgeld vom nächsten Polizisten warten, zumindest dort wo es Polizisten gibt…
Rottnest Island ist eigentlich ideal für eine Erkundung mit dem Fahrrad, eine kleine Sandinsel – ca. 10 Kilometer lang und 3 Kilometer breit – mit Steigungen, die mit einem herkömmlichen Fahrrad eigentlich kein Problem sein sollten (beim Leihfahrrad sieht das schon anders aus…). Leider auch wieder total überbevölkert hat man hier nur selten das Vergnügen alleine an einem Ort zu sein, sogar am äußersten westlichen Punkt wird man noch von anderen Touristen tot getrampelt. Deswegen haben wir uns für ein Stündchen an einem kleinen Strand der Südküste versteckt, den wir fast für uns ganz alleine hatten. Wenn man will kann man also auch hier seine Ruhe haben, man muss nur ein bisschen suchen.
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Heute war eigentlich eher ein Tag der Erledigungen. Jeder hatte irgendwie etwas zu tun in der Stadt, also fuhren wir wieder ins Zentrum um uns nicht wirklich Perth anzuschauen, sondern Einkäufe zu machen, ins Internetcafe zu gehen und vor allem um unsere Rottnest Island Tour für den nächsten Tag zu buchen. Ich selbst musste noch in das Emirates Office laufen, um mich höchstpersönlich der Umbuchungsgebühr für meinen Flug zu entledigen, was eine Freude. Nun ja.
Gegen Abend sind wir dann nach Fremantle weitergefahren, dort hatten wir einen Campingplatz gebucht um am nächsten Morgen schnell zur Fähre nach Rottnest Island gelangen zu können – fast alle Fähren nach Rottnest laufen vom Hafen in Fremantle die kleine Insel an.
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Nach dem Aufstehen haben wir uns heute erst noch einige Sachen in der Umgebung angeschaut, bevor wir uns auf den Weg in die große Millionenstadt nördlich von uns aufmachten. Als erstes ging es zum Preston Beach - einem Strand gleich um die Ecke von unserem Campingplatz. Danach fuhren wir an den Lake Clifton – einen ziemlich lang gezogenen See mit Thromboliten (von mir übersetzt, ich hoffe dieses Wort gibt es im Deutschen…), einer uralten und ziemlich lang lebenden Lebensform die seltsame Steinchen am Seerand bildet. Sehr interessant anzusehen da irgendwo skurril und unwirklich. Als letzten Zwischenstopp fuhren wir noch zum Lane Poole Conversation Reserve, einem großen Waldareal mit vielen Wanderwegen und Campingmöglichkeiten. Hier konnte man toll in einem kleinen Fluss baden, insgesamt aber wieder zu überfüllt – ist wohl auch einer der Rückzugspunkte für die Naturbegeisterten aus Perth, da einfach zu erreichen.
Gegen Nachmittag haben wir uns dann endgültig erstmal von der Natur verabschiedet und uns auf die immer größer werdenden Straßen nach Perth begeben, bis ins Stadtzentrum – wo wir Caro abgeholt haben und dann auf eine verzweifelte Suche nach einem Campingplatz gegangen sind. Nach einigen Telefonaten mit Campingplätzen haben wir eingesehen, dass es am heutigen Ostermontag wohl immer noch eine einzige Katastrophe ist – alles wo man in dieser Stadt übernachten kann ist anscheinend ausgebucht. Also haben wir uns dazu entschlossen, etwas weiter aus der Stadt raus zu fahren, in der Hoffnung dass man in einem der östlichen Nationalparks in den Perth Hills im schlimmsten Falle wild übernachten kann. Gerettet wurden wir dann in der mittlerweile stockfinsteren Nacht von einer plötzlich im Wald gefundenen Jugendherberge – wo wir freundlicherweise sogar zelten durften. Alles prima also, auch wenn uns hier mit 12 Dollar pro Person nicht ungedingt die günstigsten Übernachtungspreise entgegenrollten.
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Da auf meinem Reiseplan noch ein ganz schön großer Haufen Dinge steht die ich noch sehen will bevor ich zurück fliege, habe ich zu letztem Freitag meinen Traubenjob gekündigt und werde mich nun heute Nachmittag auf den Weg nach Norden machen – die Westküste hoch bis nach Darwin. Begleiten werden mich dabei Carolin vom Bodensee und Frank und Frank, zwei Holländer die ich hier im Hostel kennen gelernt habe. Carolin ist jedoch schon in Perth, von dort werden wir sie Montagabend aufsammeln und mitsamt Gepäck in das Auto laden – welches mit Sicherheit dann fast auseinander fallen wird – 4 Personen inklusive Taschen, Zelt und sonstigem Campingzubehör hat das Auto bisher noch nicht transportiert. Hoffentlich macht es das mit. Ich glaube noch nicht daran.
Nach einiger Packerei, dem Abbauen meines Zeltes (was einen deutlich sichtbaren schwarzen quadratischen Fleck auf dem Hostelrasen hinterlassen hat), einigen Abschiedszeremonien im Hostel und einem letzten Einkauf im örtlichen Supermarkt sind wir dann erstmal zu dritt in Richtung Perth gefahren und über Bunbury dann im Yalgorup Nationalpark abgestiegen, hier gibt es einen Naturcampingplatz mit primitiven Einrichtungen recht nah an einem Salzsee gelegen. Naturtechnisch gesehen war er eigentlich recht schön, allerdings aufgrund seiner Nähe zu Perth und der Tatsache, dass heute Ostersonntag war doch etwas überfüllt für unseren Geschmack.
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Bild 825
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